18. März 2007

SCW - RW Ahlen II  0:2 (0:1)

 























Fotos: Cib, InfoSchlumpf, Hollain, Froese                                                                                     Fenster schließen

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Bonjour Tristesse

Absturz in Raten setzt sich fort. Nach Lizenzschock und Delbrück-Pleite folgt gegen biedere Ahlener die nächste Enttäuschung. Der Wille ist da, aber es fehlen Ideen, Kreativität und Entschlossenheit.

Bonjour Tristesse, willkommen in der Trostlosigkeit. Wo noch vor Wochen die Euphorie zuhause war, herrschte gestern Totengräberstimmung. Ganze 261 zahlende Zuschauer bildeten am Schloss Strünkede die stumme und frierende Kulisse für einen Kick, der unter Oberliga-Fußball firmierte, mit gehobener Ballkunst aber herzlich wenig zu tun hatte. Reiner Etikettenschwindel.

Nach 90 trostlosen Minuten stimmte aus Herner Sicht nicht einmal das Ergebnis. Mit 0:2 ging die Partie verloren gegen einen Abstiegskandidaten, der außer Einsatz wenig zu bieten hatte. Symptomatisch das Nachspiel, das sich Pressekonferenz nennt. Lädiert wie sein ganzer Verein, humpelte RW-Trainer Manfred Kessel auf zwei Krücken in den rauchgeschwängerten Raum, um die Zuhörer mit überspannten Erwartungen an deren Kenntnis der Ahlener Interna zu überraschen. "Wie Sie ja wissen, haben wir nur einen siebenköpfigen Kader", hob er an. Und erntete fragende Blicke. Wie, was? Muss man das wissen?

Muss man nicht. Den Ahlener Auftritt können Hernes Fußballfans auch schnell wieder vergessen, genauso wie das untaugliche Bemühen der eigenen Mannschaft. Über 90 Minuten gesehen war das nichts, gar nichts. "Wir hätten bis morgen früh spielen können, ohne ein Tor zu machen", sprach Frank Schulz Klartext. Und nahm das kollektive Versagen auf seine eigene Kappe. "Ich bin derjenige, der die Einstellung rüberbringen muss. Aber da war nichts."

Dabei hatte der Coach nach einer guten Trainingswoche völlig anderes erwartet. "Ich habe damit gerechnet, dass wir heute ein Feuerwerk abbrennen", gab er zu. In den Anfangsminuten schien es auch, als wollten die Spieler diese Erwartungen in die Tat umsetzen. Gleich dreimal tauchte der stark beginnende Sami El-Nounou gefährlich in Tornähe auf, brachte den Ball aber nicht im Kasten unter.

So fehlte die Initialzündung, und das Feuerwerk geriet zum Rohrkrepierer. Die Gastgeber waren zwar drückend überlegen, doch für klare Aktionen fehlte es an Ideen und Kreativität. Stattdessen rannten sich die Herner immer wieder fest oder spielten den Ball gleich dem Gegner in die Füße.

Der konnte damit aber wenig anfangen. Erst als die Herner Geschenke noch großzügiger ausfielen, konnten die Rot-Weißen nicht mehr ablehnen. Zum Beispiel in der 37. Minute. Da rammten sich Michael Baum und Norman Seidel im Luftkampf gegenseitig um, Bamba hatte freie Bahn und wurde vom herausstürzenden Olli Bautz am Fuß erwischt. Den Elfmeter versenkte der Stürmer aus dem Regionalligakader selbst zum 0:1.

In der zweiten Hälfte rannte der SCW ziemlich blind gegen die drohende Niederlage an, wurde dabei immer offener für Konter. Dennoch hätte das 0:2 nie fallen dürfen. Doch Baum säbelte zunächst über den Ball, um dann tatenlos zuzusehen, wie Korosi den von Bautz glänzend abgewehrten Schuss im zweiten Versuch unterbrachte. Der Rest war eine einzige Qual, erst der Schlusspfiff brachte Erlösung.

SC Westfalia Herne - RW Ahlen II 0:2

Tore: 0:1 (37.) Bamba (Foulelfmeter), 0:2 (69.) Korosi.

SCW: Bautz - Neumann (73. Urbainski) - Baum, Seidel - Barton, Gebauer (56. Urban), Köse (70. Behrend), Tahiri, Makarchuk - El-Nounou, Erzen.

Ahlen II: Tapu - Bruniker, Eckelt, Warnow, Bäumer - Stutter, Colak - Venker (67. Gründler), Basdas (88. Bulut) - Bamba (46. Korosi), Teleuga.

SR: Thorsten Jorend.

Zuschauer: 261.

18.03.2007 Von Wolfgang Volmer