28. Mai 2007

SCW - Hammer SV  0:1 (0:0)

 






























Fotos: Cib, InfoSchlumpf, Kuehnewo                                                                                           Fenster schließen

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Die Luft ist raus

Westfalia Herne foltert seine Fans im letzten Heimspiel der Saison. Abstiegskandidat aus Hamm erzielt in Unterzahl das goldene Tor zum verdienten Auswärtssieg. Schulz sehnt neue Spielzeit herbei.

Zwei Tore Erzen, zwei Tore El-Nounou, und als Happy-End ein rauschender Sieg - so hätte das Drehbuch für den letzten Spielfilm des beliebten Stürmer-Duos auf heimischer Bühne aussehen sollen. Doch Fußball ist kein Hollywood, Frank Schulz kein Fatih Akin, und die Realität bisweilen brutal. Für das, was da gestern am Schloss aufgeführt wurde, gab´s keine goldene Palme. Eher eine silberne Distel.

Bemüht waren sie schon, die Kicker von Frank Schulz. Die meisten zumindest. Was aber dabei heraus kam, war äußerst dürftig, um nicht zu sagen armselig. Da waren selbst die Verdienste der Vergangenheit bei einigen wenigen auf der Tribüne schnell vergessen. "Erzen raus", stimmte ein Häuflein heiserer Kehlen mehrfach an. Um sich sogleich den stimmgewaltigen Konter einzuhandeln. "Michael Erzen, Michael Erzen", schallte es ungleich lauter zurück. Zumindest das Gros der Fans war nicht gewillt, seine Helden auf dem Altar des aktuellen Frusts zu opfern. Und das ist gut so.

Allerdings hätte man sich schon gewünscht, dass dieser Schulterschluss, dieser Zusammenhalt, der den SC Westfalia in den letzten Jahren stark gemacht hat, auch auf dem Rasen deutlicher sichtbar geworden wäre als in den letzten Wochen. "Das ist schon beschämend, wie wir aufgetreten sind", war auch Trainer Schulz mal wieder bedient. Natürlich hatte er alles versucht, die letzte Leistungsbereitschaft herauszukitzeln. Vergeblich. Die Luft ist raus, nichts geht mehr. "Ich sehne die nächste Saison herbei", sprach Schulz aus, was viele denken. 90 Minuten in Oestrich sind noch zu überstehen, dann ist es vollbracht.

Überstanden ist auch das gestrige Trauerspiel. Die Herner hatten zwar durchweg Feldvorteile, fanden aber nie die Mittel, um eine gut organisierte, dizsiplinierte, aber auch biedere Hammer Mannschaft in Verlegenheit zu bringen. Und weil auch der HSV nach vorne hin kaum stattfand, entwickelte sich eine gähnend langweilige Partie ohne prickelnde Torszenen.

Stimmung kam nur in der Pause auf, als Bernd Faust im Stile eines preisgekrönten Aalverkäufers mit seiner bezaubernden Assistentin Jacqueline Gutscheine fürs Mumienschieben in einer Herner Kneipe, eine Wellnessbehandlung im Frisiersalon, den obligatorischen Frühstückskorb und weitere Petitessen verloste.

Mit dem Anpfiff zur zweiten Hälfte aber kehrte der triste Alltag zurück. Als sich HSV-Stürmer Stein binnen zehn Minuten zweimal Gelb abholte und vorzeitig duschen durfte, wähnten sich die Herner wohl schon auf der Siegerstraße. Doch der Schuss ging nach hinten los. Drei Abwehrspieler standen bei Hrubeschs Steilpass tatenlos Spalier, HSV-Kapitän Gruszka hatte freie Bahn und netzte zum 0:1 ein.

Der Rest war Hilflosigkeit pur. Umständlich, ohne Esprit und Entschlusskraft, drängte der SCW auf den Ausgleich, verbaselte kläglich die wenigen Chancen - und musste bedröppelt den Gang in die Kabinen antreten. Ein schöner Abschied sieht anders aus.

SC Westfalia Herne - Hammer SpVgg 0:1

Tore: 0:1 (74.) Gruszka.

SCW: Bautz - Neumann - Baum, Tahiri - Makarchuk, Gebauer, Urban (70. Oerterer), Köse, Behrend - El-Nounou, Erzen.

HSV: Hietkamp - Aktas, Degelmann, Aydogdu - Kunze (14. Werner), Gruszka, Hrubesch, Ugur, Duda - Stein, Kara (87. Lanzendörfer).

SR: Marco Cremer (Finnentrop).

Zuschauer: 390.

Gelb/Rot: Stein (HSV/57.).

28.05.2007 Von Wolfgang Volmer