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Fotos: Cib, InfoSchlumpf, Kuehnewo
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Die Luft ist raus
Westfalia Herne
foltert seine Fans im letzten Heimspiel der Saison. Abstiegskandidat
aus Hamm erzielt in Unterzahl das goldene Tor zum verdienten
Auswärtssieg. Schulz sehnt neue Spielzeit herbei.
Zwei Tore Erzen, zwei Tore El-Nounou, und als Happy-End ein
rauschender Sieg - so hätte das Drehbuch für den letzten Spielfilm
des beliebten Stürmer-Duos auf heimischer Bühne aussehen sollen.
Doch Fußball ist kein Hollywood, Frank Schulz kein Fatih Akin, und
die Realität bisweilen brutal. Für das, was da gestern am Schloss
aufgeführt wurde, gab´s keine goldene Palme. Eher eine silberne
Distel.
Bemüht waren sie schon, die Kicker von Frank Schulz. Die meisten
zumindest. Was aber dabei heraus kam, war äußerst dürftig, um nicht
zu sagen armselig. Da waren selbst die Verdienste der Vergangenheit
bei einigen wenigen auf der Tribüne schnell vergessen. "Erzen raus",
stimmte ein Häuflein heiserer Kehlen mehrfach an. Um sich sogleich
den stimmgewaltigen Konter einzuhandeln. "Michael Erzen, Michael
Erzen", schallte es ungleich lauter zurück. Zumindest das Gros der
Fans war nicht gewillt, seine Helden auf dem Altar des aktuellen
Frusts zu opfern. Und das ist gut so.
Allerdings hätte man sich schon gewünscht, dass dieser
Schulterschluss, dieser Zusammenhalt, der den SC Westfalia in den
letzten Jahren stark gemacht hat, auch auf dem Rasen deutlicher
sichtbar geworden wäre als in den letzten Wochen. "Das ist schon
beschämend, wie wir aufgetreten sind", war auch Trainer Schulz mal
wieder bedient. Natürlich hatte er alles versucht, die letzte
Leistungsbereitschaft herauszukitzeln. Vergeblich. Die Luft ist
raus, nichts geht mehr. "Ich sehne die nächste Saison herbei",
sprach Schulz aus, was viele denken. 90 Minuten in Oestrich sind
noch zu überstehen, dann ist es vollbracht.
Überstanden ist auch das gestrige Trauerspiel. Die Herner hatten
zwar durchweg Feldvorteile, fanden aber nie die Mittel, um eine gut
organisierte, dizsiplinierte, aber auch biedere Hammer Mannschaft in
Verlegenheit zu bringen. Und weil auch der HSV nach vorne hin kaum
stattfand, entwickelte sich eine gähnend langweilige Partie ohne
prickelnde Torszenen.
Stimmung kam nur in der Pause auf, als Bernd Faust im Stile eines
preisgekrönten Aalverkäufers mit seiner bezaubernden Assistentin
Jacqueline Gutscheine fürs Mumienschieben in einer Herner Kneipe,
eine Wellnessbehandlung im Frisiersalon, den obligatorischen
Frühstückskorb und weitere Petitessen verloste.
Mit dem Anpfiff zur zweiten Hälfte aber kehrte der triste Alltag
zurück. Als sich HSV-Stürmer Stein binnen zehn Minuten zweimal Gelb
abholte und vorzeitig duschen durfte, wähnten sich die Herner wohl
schon auf der Siegerstraße. Doch der Schuss ging nach hinten los.
Drei Abwehrspieler standen bei Hrubeschs Steilpass tatenlos Spalier,
HSV-Kapitän Gruszka hatte freie Bahn und netzte zum 0:1 ein.
Der Rest war Hilflosigkeit pur. Umständlich, ohne Esprit und
Entschlusskraft, drängte der SCW auf den Ausgleich, verbaselte
kläglich die wenigen Chancen - und musste bedröppelt den Gang in die
Kabinen antreten. Ein schöner Abschied sieht anders aus.
SC Westfalia Herne -
Hammer SpVgg 0:1
Tore: 0:1 (74.) Gruszka.
SCW: Bautz - Neumann - Baum, Tahiri - Makarchuk, Gebauer, Urban (70.
Oerterer), Köse, Behrend - El-Nounou, Erzen.
HSV: Hietkamp - Aktas, Degelmann, Aydogdu - Kunze (14. Werner),
Gruszka, Hrubesch, Ugur, Duda - Stein, Kara (87. Lanzendörfer).
SR: Marco Cremer (Finnentrop).
Zuschauer: 390.
Gelb/Rot: Stein (HSV/57.).
28.05.2007 Von Wolfgang Volmer |
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