2. November 2008

SCW - ETW SW Essen  1:1 (1:1)

 





















Fotos: Cib, InfoSchlumpf

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Revierderby bleibt ohne Sieger


Westfalia Herne gibt gegen ETB SW Essen die ersten Punkte auf heimischem Platz ab. Arben Tahiri gleicht Gästeführung durch Elvir Saracevics Elfmeter aus. Beide Teams vergeben etliche Chancen.

Alles drin, alles dran: Trotz des einen oder anderen Stockfehlers lieferte das Spitzenspiel der NRW-Liga den 800 Zuschauern am Schloss Strünkede über 90 Minuten spannende Unterhaltung, gespickt mit rassigen Zweikämpfen, packenden Torszenen und gelegentlichen schauspielerischen Einlagen. Fußball, wie ihn die Leute mögen. Beide Revierklubs investierten viel, um als Sieger vom Platz zu gehen, beide waren nah dran, und beide schafften es nicht. Der erste Punktverlust im eigenen Stadion trübte zwar das Vergnügen der Herner Fans, doch dafür entschädigte sie die Bonner Schlappe in Düsseldorf. Ihre Westfalia bleibt spitze.

Barton auf der Tribüne

Auch ohne Sven Barton. Den Herner Kultkicker hatte Christoph Schlebach aus disziplinarischen Gründen aus dem Kader gestrichen - eine einmalige Sache, wie er später feststellte. „Das Ding ist durch. Wir haben uns ausgesprochen und alles ausgeräumt”, stand der Trainer auch im Nachhinein zu seiner Maßnahme.

Wenngleich ihm die „Sven-Barton-Rufe” von der Tribüne in den Ohren hallten. „Das ist völlig in Ordnung. Sven ist ein sehr verdienstvoller Spieler. Ich finde es sogar gut, dass er angefeuert wird”, nahm er die Rufe nicht als Kritik an seiner Person. „Sven ist ein wichtiger Teil der Mannschaft, aber auch nur ein Teil.” So hätte auch Jogi Löw über Michael Ballack sprechen können.

Strittiger Elfmeter

Ob es mit dem Flügelflitzer zum Sieg gereicht hätte, ist eh' eine müßige Frage. Vermisst wurden seine Läufe schon, auch wenn Tim Gebauer die rechte Seite solide beackerte. Und auch in der gestrigen Konstellation war ein Dreier drin, doch der SCW versiebte einmal mehr viele dicke Chancen und musste zudem etliche strittige Entscheidungen gegen sich verdauen.

So wie in der 14. Minute. Der Ball war eigentlich schon geklärt, da wollte ihn Zouhair Allali noch mit langem Bein wegspitzeln. Finnern kam an der Strafraumgrenze zu Fall, Glasmacher pfiff – und zeigte zum Herner Entsetzen auf den Punkt. Was Elvir Saracevic nicht daran hinderte, das zweifelhafte Urteil zu vollstrecken.

Als wenig später Martin Setzkes Tor wegen angeblicher Abseitsstellung nicht gegeben wurde und ein Lewejohann-Schuss wie eine Billardkugel von Innenpfosten zu Innenpfosten und dann ins Feld zurück prallte, war klar: Das Glück war diesmal nicht auf Herner Seite. Doch angetrieben vom überragenden André Badur, setzte der SCW unverdrossen nach - und erkämpfte sich das Glück zurück. Arben Tahiris Freistoß prallte von der Mauer vor einen Essener Kopf und von da ins Tor (31.).

Gute Möglichkeiten

Noch vor der Pause hatte Badur das 2:1 auf dem Fuß, verzog aber knapp. Nach Wiederbeginn spielte auch Essen druckvoller nach vorne, es gab beste Chancen auf beiden Seiten. Finnern lenkte eine Akpo-Flanke an die Latte, auch Bednarski wurde in seinem Torjubel durch einen Abseitspfiff gestoppt. Für Herne hatten Tahiri, Gebauer und vor allem Behrend gute Möglichkeiten. Als die Gäste nach Okerekes Verletzung in Unterzahl waren, warf Herne alles nach vorn. Vergeblich. Essen verteidigte mit Glück und Leidenschaft den nicht unverdienten Punkt.

SC Westfalia Herne - ETB SW Essen 1:1 (1:1)

Tore: 0:1 (14.) Saracevic (Foulelfmeter, Allali an Finnern), 1:1 (31.) Tahiri.

SCW: Bautz - Gebauer, Mustroph, Baum, Gidaszewski (77. Kluy) - Allali, Tahiri - Behrend, Badur - Lewejohann (76. Onucka), Setzke (62. Freyni).

ETB: Ritz - Grallert (46. Schulitz), Jost, Schikora, Bednarski (76. Losing) - Höhle, Westerhoff (46. Okereke), Saracevic, Schulz - Finnern, Ouro-Akpo.

SR: Stefan Glasmacher (Alsdorf).

Zuschauer: 800.


Trainerstimmen:

Klaus Berge (ETB): Das war eine klasse Atmosphäre hier, richtig toller Ruhrgebietsfußball. Herne ist ein geiler Klub, Kompliment an den Verein. Die ersten 15 Minuten haben wir klasse gespielt und haben verdient das 1:0 erzielt. Dann kam enormer Druck von Herne, wir hätten das Spiel schon zur Pause verloren haben können. In der zweiten Halbzeit haben wir dann vieles besser gemacht und Riesenchancen gehabt, hätten am Ende in Unterzahl aber auch wieder verlieren können. Das 1:1 ist eine akzeptable und faire Lösung.

Christoph Schlebach (SCW): Wir haben ein offensives, attraktives Spiel von beiden Seiten gesehen. Für uns fing es mit dem Elfmeter sehr unglücklich an, doch wir haben weiter nach vorne gespielt und den Ausgleich geschafft. Zur Pause habe ich gesagt, dass wir weiter nach vorne spielen müssen, aber nicht die Ordnung verlieren und uns auskontern lassen dürfen. Letztlich muss man auch mal mit einem Punkt gegen eine starke Essener Mannschaft zufrieden sein.


Kommentar:

Konsequent

Ob Kumpel oder General, Schleimer oder Schleifer – jeder Trainer hat seinen eigenen Stil, seine eigene Persönlichkeit. Und kann damit Erfolg haben. Unabdingbar aber ist, dass die Autorität des Trainers von allen anerkannt wird. Ohne einen, der das Sagen hat, zerfällt jede Mannschaft in eine Horde egoistischer Individualisten. Absturz vorprogrammiert.

Sobald bestimmte Grenzen überschritten werden, besteht akuter Handlungsbedarf. Die Position des Trainers zu schwächen, heißt nämlich, die Erfolgsaussichten des gesamten Teams zu schmälern. So wie es der Bundes-Jogi nicht dulden kann, wenn die Ballacks oder Kuranyis aus der Reihe tanzen, so kann auch kein Kreisklassen-Coach Einzelinteressen über die der Gruppe stellen.

Christoph Schlebach weiß das, hat einen seiner Besten gestern aus disziplinarischen Gründen aus dem Kader gestrichen. Das ist konsequent und verdient Respekt. Weil es dem Ganzen dient


Von Wolfgang Volmer


Quelle: WAZ Herne

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