9. November 2008

RW Essen II - SCW 0:1 (0:0)

 








































Fotos: Cib, InfoSchlumpf

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Das Glück des Spitzenreiters

Ein Eigentor in der Nachspielzeit beschert dem SC Westfalia drei wichtige Punkte in Essen. Nach zäher erster Hälfte geht die Post richtig ab. Hernes überragender Torwart André Lindenblatt hält die Null fest.

Es zählt zu den Geheimnissen des Fußballs, dass sich das Glück gern auf die Seite des Erfolgreichen schlägt. Warum das so ist, weiß niemand, dass es so ist, beschwören auch jene Vertrerer der kickenden Zunft, die des Aberglaubens unverdächtig sind. Eine Bestätigung dieser These lieferte die gestrige Partie im Georg-Melches-Stadion. Es lief bereits die Nachspielzeit, da verirrte sich die Kugel nach einem Badur-Freisoß von der Brust des Esseners Carsten Weißert zum ersten und einzigen Mal im Tor. Sekunden später ließen sich die Herner von ihren Fans frenetisch feiern, die Essener aber schlichen bedröppelt vom Rasen. Mit dem Glück des Spitzenreiters hatte der SC Westfalia ein schweres Auswärtsspiel gewonnen und drei wichtige Punkte eingefahren.

Die erste Halbzeit hatte keinen Sieger verdient, die zweite derer zwei. Bis zur Pause schleppte sich das Geschehen ziemlich zäh dahin. Westfalia hatte zwar mehr Ballbesitz, brachte nach vorne aber wenig Konstruktives zustande. Der verletzte Martin Setzke wurde als laufstarke Anspielstation arg vermisst, René Lewejohann wirkte bei allem Bemühen wie ein Fremdkörper und hatte kaum Ballkontakte. Und weil André Badur seinen Zauberfuß diesmal nicht exakt justiert hatte, verebbte auch ein knappes Dutzend Standardsituationen, ohne Gefahr zu bringen. Mit einer Ausnahme: In der 32. Minute leistete sich die RWE-Abwehr nach Badurs Freistoß einen Querschläger, Dominik Behrend erfasste die Situation, doch Essens Torhüter Himmelmann fischte seinen Kopfball aus dem Winkel. Auf der anderen Seite musste sich Andre´ Lindenblatt nur bei Avcis 15m-Schuss einmal lang machen, alle weiteren Versuche verfehlten ihr Ziel.

Nach Wiederbeginn war es ein ganz anderes Spiel. Sofort ging die Post ab, binnen 15 Minuten kamen beide Teams zu vier glasklaren Chancen, doch beide Torhüter schienen unüberwindlich. Beim SCW war es Behrend, der am eigenen Schussvermögen, aber auch an Himmelmann verzweifelte. So wie in der 54. Minute. Vom nun wesentlich agileren Lewejohann auf die Reise geschickt, umdribbelte Behrend zwei Abwehrspieler, konnte mit seinem Lupfer den herausstürzenden RWE-Keeper aber nicht überwinden. Noch häufiger stand Lindenblatt im Brennpunkt. Mit einer Flugparade wehrte er Cakiroglus Freistoßknaller ab, bei Stiepermanns Schuss aus nächster Nähe war er mit einer reflexartigen Fußabwehr zur Stelle, dem allein vor ihm auftauchenden Uzun warf er sich mutig entgegen.

Hernes Keeper, etwas überraschend für Olli Bautz aufgeboten, wurde zum Mann des Spiels. „Lindenblatt zu bringen, war eine Bauchentscheidung. Mein Gefühl hat mich nicht getrogen”, strahlte auch Trainer Christoph Schlebach.

Auch mit Hilfe des Lattenkreuzes, das bei Cakiroglus Freistoßfackel aus gut 35 Metern mächtig wackelte, hielt Lindenblatt die Null. Die stand aber auch auf der anderen Seite. Bis zur 92. Minute. Da lief Michael Baum unter Badurs Freistoß durch, Weißert stand dahinter und lenkte den Ball ins eigene Tor. So, als wolle er es auch den letzten Zweiflern beweisen: Glück hat immer der, der oben steht.


RW Essen II - SC Westfalia Herne 0:1 (0:0)

Tor: 0:1 (90.+2) Weißert (Eigentor).

RWE II: Himmelmann - Yavuz, Caspers, Weißert, Cakiroglu - Jensen - Penn, Avci, Ritz (72. Krakala) - Said (45. Stiepermann), Uzun.

SCW: Lindenblatt - Barton, Mustroph, Baum, Gidaszewski - Gebauer, Allali - Behrend (86. Freyni), Tahiri (75. Onucka), Badur - Lewejohann (86. Mutluer).

SR: Dalibor Gudzijan.

Zuschauer: 600.


Trainerstimmen:

Christoph Schlebach (SCW): Wenn man in der 92. Minute das 1:0 macht, muss man von einem glücklichen Sieg reden, auch wenn man sieht, wie dieser Treffer zustande kam. In der ersten Halbzeit haben wir zu wenig investiert und keinen Druck entwickelt, in der zweiten war es besser. Da sind wir aber auch in Konter gelaufen und beide Teams haben viele Tormöglichkeiten gehabt.

Karlheinz Pflipsen (RWE): Im Moment kommt es für uns knüppeldick. Ein Unentschieden wäre ein gerechtes Ergebnis gewesen. Aber wenn man unten steht, dann geht so ein Ding in der 92. Minute eben rein. Bitter für die Mannschaft, die gut gespielt hat.


Von Wolfgang Volmer


Quelle: WAZ Herne

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