Fast eine Halbzeit
lang durfte der SC Westfalia gestern Abend von einer
Pokalsensation träumen, doch am Ende setzte es noch eine
deutliche Niederlage gegen den Regionalligaspitzenreiter aus
Lotte. Schade nur, dass die Herner sich nach dem 1:3 vollkommen
hängen ließen und so den guten Eindruck aus den ersten 45
Minuten verwischten.
SCW-Coach Uli Reimann hatte auf die ansonsten übliche
Pokal-Rotation diesmal verzichtet. „Man nimmt doch keine
siegreiche Mannschaft auseinander“, schmunzelte er vor der
Partie und schickte die Elf ins Rennen, die am Sonntag gegen
Homberg den ersten Meisterschaftserfolg in der NRW-Liga gefeiert
hatte. Maik Walpurgis dagegen hatte seine Mannschaft gegenüber
dem letzten Regionalligaspiel gleich auf acht Positionen
verändert.
Und der „zweite Anzug“ der Lotter saß zunächst nicht recht, denn
die Anfangsphase gehörten klar den Strünkedern, die sofort
forsch angriffen. Dennis Pachutzki hatte in der 2. und 4. Minute
gleich zwei gute Möglichkeiten, doch sein erster Versuch wurde
von Wingerter vor der Linie abgeblockt, der zweite Schuss
landete am Pfosten.
Lotte wurde danach langsam wach und prüfte durch Maddente (6.)
das Aluminium auf der anderen Seite. Nach einer Viertelstunde
zielte Lorenz dann genauer, und gegen den strammen Volleyschuss
war Pascal Kurz, Hernes Bester, machtlos.
Mächtig turbulent wurde es in der 19. Minute. Nach einem
Freistoß von Heiner Backhaus übersah der Unparteiische Thorsten
Derbort ein klares Handspiel eines Lotter Abwehrspielers, der
zudem noch mit seinem Torhüter zusammenrasselte. Stephan Tantow
stürzte dabei unglücklich, musste lange im Strafraum behandelt
und schließlich mit Verdacht auf Arm- oder Ellenbogenbruch ins
Krankenhaus transportiert werden.
Erst nach einer zehnminütigen Unterbrechung konnte die Partie
fortgesetzt werden. Es lief bereits die Nachspielzeit, als
Philipp Kraska den Ball nach einer Backhaus-Ecke wuchtig in den
Winkel köpfte – 1:1.

Philipp Kraska
(rechts) köpft den Ball zum 1:1 ins Lotter Gehäuse.
Foto: Cib
Aber die Freude der
Herner währte nicht lange. Kurz bevor Schiedsrichter Derbort die
erste Halbzeit nach insgesamt 55 Minuten beendete, präsentierte
sich die Westfalia-Abwehr nach einer Ecke völlig unorientiert.
Den ersten Schuss von Lorenz konnte Kurz mit einem tollen Reflex
noch entschärfen, aber der Ball landete beim völlig frei
stehenden Rüter, der sich mit dem erneuten Führungstreffer für
die Gäste bedankte.
Die zweite Halbzeit ist schnell erzählt: Zunächst konnte Pascal
Kurz mit Glanzparaden gegen Maddente und Hess zwei weitere
Einschläge verhindern (53./54.), doch dann brachen in der
Hintermannschaft der Westfalia alle Dämme. Innerhalb von sieben
Minuten langten Neubauer und zweimal Hess zu – jedesmal per
Kopf. Am Ende konnten die Herner froh sein, dass sich der
Regionalligist danach mit „nur“ noch zwei weiteren Treffern
begnügte.

SCW-Keeper
Pascal Kurz verhinderte mit mehreren Glanzparaden weitere
Gegentreffer.
Foto: Cib
Uli Reimanns Resümee bezog sich zunächst nur auf die erste
Halbzeit: „Das war insgesamt okay. Ärgerlich war aber, dass wir
den klaren Handelfmeter nicht gekriegt haben und uns vor dem
zweiten Gegentreffer nach einem Eckstoß gleich drei individuelle
Fehler geleistet haben.“ Dann sagte der SCW-Trainer aber auch
noch etwas zu den zweiten 45 Minuten: „So, wie wir uns da
präsentiert haben, darf man sich nicht gehen lassen.“
SC Westfalia 04 Herne - Sportfreunde Lotte 1:7 (1:2)
Tore: 0:1 (15.) Lorenz, 1:1 (45.+1) Kraska, 1:2 (45.+8) Rüter,
1:3 (59.) Neubauer, 1:4 (62.) Hess, 1:5 (66.) Hess, 1:6 (72.)
Baal, 1:7 (83.) Engelmann.
SCW: Kurz - Biehs (36. Bachmann), Kraska, Tottmann, Hansmann
(63. Jacobs) - Sazoglu, Backhaus - Gehrmann (85. Senge),
Pachutzki - Westphal, Stevanovic.
Lotte: Tantow (29. Görrissen) - Wingerter, Czyszczon (63.
Gorschlüter), Wiwerink, Baal - Neubauer, Gataric - Maddente,
Rüter, Lorenz (63. Engelmann) - Hess.
von Uwe Ross
Quelle: WAZ Herne