PRESSE

Westfalia muckt auf
 

10.04.12

„Entscheidend ist, was hinten rauskommt“ – längst hat sich die Fußballwelt jenen Helmut Kohl zugeschriebenen Satz zu eigen gemacht. Was zählt, sind die Punkte. Schluss, aus, basta. Bisweilen aber gibt es Situationen, da gebietet es sich, scheinbare Gewissheiten in Frage zu stellen. Wie für den SC Westfalia in dieser seltsamen, letzten NRW-Liga-Saison. Ohne Ambitionen nach oben, ohne Gefahr nach unten, könnte den Hernern der Stand ihres Punktekontos fast wurscht sein. So sollten sie es auch schnell verschmerzen, dass ihnen gegen Siegen der Lohn für eine engagierte Partie verwehrt blieb. Statt eines verdienten Zählers kam am Ostersamstag nämlich Wichtigeres hinten raus: Die Erkenntnis , dass die noch weiter verjüngte Herner Truppe an einem guten Tag auch einem Topverein der Liga Probleme machen kann.


Die Westfalia-Kicker zeigten sich gegen den Favoriten aus Siegen sehr engagiert.                                                Foto: Cib

Siegens Trainer Michael Boris jedenfalls war heilfroh, dass seiner Mannschaft das Schicksal der Kölner Viktoria erspart blieb, die in Herne Federn ließ. In der 88. Minute war es Raphael Koczor, der reflexhaft die Arme hochriss und einen Volleyschuss von Sascha Jacobs aus acht Metern parierte (Foto). Siegens Keeper rettete seinem Team zwei Punkte und ermöglichte ihm so den Sprung auf einen direkten Aufstiegsplatz.


Kurz vor Schluss verhinderte der Gästekeeper mit einer Glanzparade eine gerechte Punkteteilung.                      Foto: Cib

Von Beginn an tat sich der Favorit enorm schwer. Gut organisiert, lauffreudig und taktisch diszipliniert nahmen die Herner den Gästen Raum und Lust zum Spielen. Siegen schaffte es nicht, Tempo aufzunehmen und die dicht gestaffelte Herner Abwehr aufzureißen. Im Zentrum ließen Maik Liedtke und Debütant Torben Reimann dem Ex-Herner Lewejohann kaum einen Stich, außen machten Trainersohn Tim Reimann und Robin Gallus zu, und vor dieser wohl jüngsten Kette der Liga-Geschichte formierte sich bei Siegener Ballbesitz eine weitere Fünferreihe, in der die meisten Angriffswellen verebbten.

Gefahr drohte Thimo Mallon nur bei Standards. Besonders die perfekt einstudierten Ecken von rechts waren kaum zu verteidigen. Issa schlug sie mit Effet auf den ersten Pfosten, Sprungwunder Binder raste mit Volldampf heran und wuchtete sie aufs Tor. So fiel in der 26. Minute das 0:1, kurz darauf konnte ein Verteidiger den Ball gerade noch von der Linie schlagen und eine Kopie des ersten Tores verhindern.


Das 1:0 für den Gast durch Binder in der 26. Minute.                                                                              Foto: InfoSchlumpf

Und Herne muckte weiter auf. Von Martins per Hacke angespielt, hielt Skraparas aus 28 Metern einfach mal drauf, und vom Innenpfosten prallte der Ball ins Tor. Siegen war geschockt, brachte bis zur Pause kaum noch eine gelungene Aktion zustande. Und auch nach dem Wechsel blieb Herne nahezu ebenbürtig. Nach Lewejohanns Kopfballtor musste SCW-Keeper Mallon zwar gegen Hettich (69.) und Michel (74.) zweimal retten, aber auch der SCW hatte durch Sabellek (77.) und Jacobs (88.) noch dicke Chancen.

Schade um den Punkt. Aber nicht immer ist entscheidend, was hinten rauskommt.

von Wolfgang Volmer


SC Westfalia 04 Herne - Sportfreunde Siegen 1:2 (1:1)

Tore: 0:1 (26.) Binder, 1:1 (30.) Skraparas, 1:2 (66.) Lewejohann

SCW: Mallon - Tim Reimann (65. Jacobs), Torben Reimann, Liedtke, Gallus - Sarpong, Tottmann - Matijas, Martins, Sabellek (82. Kaya) - Skraparas (76. Ural).

SFS: Koczor - Tuysuz, Binder, Nowak, Dalman - Issa, Grebe (66. Sowislo) - Jakobs (90.+1 Saidi), Hettich (78. Schattner), Michel - Lewejohann.

SR: Stefan Glasmacher (Alsdorf).

Zuschauer: 351
 

Trainerstimmen:

Michael Boris (Siegen): Hut ab vor dieser Herner Mannschaft, die mit allem gekämpft hat, was sie hatte. Ich war mit meiner Mannschaft aber auch zufrieden. Wir hatten viel Ballbesitz, hätten vielleicht auch eher das 2:1 machen müssen. Am Ende hat uns Raphael Koczor den Sieg festgehalten. Heute bin ich sehr froh und gucke nur auf die Tabelle, wo wir jetzt auf Platz vier stehen.

Uli Reimann (SCW): Ich kann meiner jungen Mannschaft absolut keinen Vorwurf machen. Die Jungs haben toll gekämpft und wollten bis zur letzten Minute das Tor machen. Vielleicht ist es ja doch der richtige Weg, auf die Jugendspieler zu setzen. Ich kann nur den Hut ziehen vor dieser Klasseleistung, so macht es auch mir wieder Spaß.


Quelle: WAZ Herne

 

Video vom Spiel

Fotoalbum von InfoSchlumpf
 

 

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